Die Tierseuchensituation in Europa spitzt sich zu: Geflügelpest in und um Österreich, Lumpy Skin Disease (Hautknotenkrankheit) in Norditalien und Frankreich bei Rindern, dazu noch Afrikanische Schweinepest, Blauzungenkrankheit, Milzbrand, Tollwut u. v. m. – zwar nicht in Österreich, aber nicht weit weg von uns – und dazu die Ausbrüche von MKS vor einem Jahr in Deutschland, der Slowakei und in Ungarn bei Paarhufern. Die letzten Monate hatten es tierseuchenmäßig in sich. Jahrelang haben wir uns in Österreich in Sicherheit gewogen und die Seuchenfreiheiten in Produktion und Handel gut nützen können. Doch die aktuelle Situation hat uns nach Langem wieder in die Situation der klassischen Seuchenbekämpfung manövriert.
Verunsicherung kreieren und Schaden anrichten. Diese Zuschreibungen kommen in aktuellen Bedrohungslagen ständig vor. Tierseuchen sind hierfür gut geeignet!
Der Verlust der Seuchenfreiheit bei MKS hätte nach Schätzungen der Veterinärmedizinischen Universität Wien bis zu 300 Mio. Euro gekostet. Ein Grund mehr, sich auf die Verhinderung der MKS-Einschleppung zu konzentrieren. Ich habe daher vor einem Jahr meine Kontrollerfahrungen für fünf Wochen im Rahmen eines Assistenzeinsatzes in den Dienst des Bundesheeres beziehungsweise der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See gestellt und als Stabsoffizier mit Zoll und Polizei an den österreichischen Grenzen kontrolliert. Dabei stand die fachliche Einweisung der eingesetzten Kräfte für die Grenzkontrollen hinsichtlich empfänglicher Tiere, Tiertransporte, Lebensmitteltransporte, landwirtschaftlicher Verkehr (Gülle, Mist, Futtermittel), Jäger, Seuchenteppiche usw. im Vordergrund. Dazu kamen zahlreiche Erklärungen hinsichtlich Übertragungsmöglichkeiten, Biosicherheit, Maßnahmen in den Schutz- und Überwachungszonen. Unter anderem begleitet wurde der Einsatz durch eine ständige Rufbereitschaft und die Verbindungshaltung zwischen Behörden und Bundesheer bis hin zum Führen der aktuellen Seuchen-Lagekarte im Einsatzstab in Eisenstadt. Nach 330 Einsatzstunden konnten am 20. Mai 2025 die Maßnahmen endlich gelockert werden – es kam zu KEINEM Auftreten der MKS in Österreich! Insgesamt war das ÖBH zur Seuchenbekämpfung im Rahmen der AFDRU in der Slowakei mit Dekontaminationsaufgaben und mit je einem Zug (NÖ, Bgld) zum Betreiben der Seuchenteppiche im Einsatz.
Fazit des Einsatzes: Jede Seuchenvermeidung beginnt mit fachlicher Beurteilung der Lage, wobei die Meldesysteme der EU und der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten eminent wichtig sind! Vor dem Setzen der richtigen Maßnahmen beim ersten Auftreten einer Seuche ist die Vermeidung der Einschleppung umso wichtiger – die Seuchenfreiheit sollte unbedingt erhalten bleiben! Die stabsmäßige Einbindung aller Beteiligten mit dementsprechender Kommunikation und Informationsaustausch hat sich ausgezahlt! Ein absichtliches bzw. bewusstes Herbeiführen einer Tierseuche kann jederzeit passieren. Daher sollte das Thema Tierseuchen auch bei den diversen Bedrohungslagen mitgedacht bzw. mitbeurteilt und in strategische Überlegungen einbezogen werden bzw. sollten Tierseuchen in diverse Übungsszenarien auf unterschiedlichen Ebenen einfließen.
Mag. med. vet. Stephan HINTENAUS,
Oberstleutnant
Seit 2008 Tiertransportinspektor des Landes OÖ – amtlicher Tierarzt. Beordert bei der 4. PzGrenBrig und als InfoO tätig.
Chefredakteur der OG OÖ